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Physiotherapeut Gehalt 2026: Was Physios verdienen und was deine Praxis zahlen sollte

Median 3.452 Euro brutto, in Kliniken nach TVöD bis über 4.000 Euro: Alle aktuellen Gehaltszahlen und was sie für dein Gehaltsangebot als Praxis bedeuten.

Jonas HümmelerJonas Hümmeler31. Oktober 20268 Min. Lesezeit
Wer eine Physio-Stelle besetzen will, muss wissen, was der Markt zahlt. Sonst ist das Angebot entweder zu niedrig und niemand bewirbt sich, oder zu hoch für die eigene Kalkulation. In diesem Artikel findest du alle aktuellen Zahlen aus amtlichen Quellen und eine Rechnung, was sich deine Praxis leisten kann.

Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick

  • 3.452 Euro brutto verdienen Physiotherapeuten in Vollzeit im Median. Die mittlere Hälfte liegt zwischen 2.928 und 4.062 Euro (Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, Stand 31.12.2025).
  • 3.216 Euro brutto ist der Median für Vollzeitkräfte unter 25 Jahren, also ungefähr das Einstiegsniveau.
  • 3.294,98 bis 4.045,24 Euro brutto zahlen kommunale Kliniken und Einrichtungen nach TVöD-VKA in Entgeltgruppe 7, die seit Mai 2026 gilt.
  • 2.991 Euro für Berufseinsteiger und 3.773 Euro für Berufserfahrene nennt der Branchenreport Physiotherapie 2026, der auf einer Befragung von Praxen basiert.
  • Rund 20,70 Euro ergibt der Median umgerechnet als Stundenlohn bei 38,5 Wochenstunden.

Was die amtliche Statistik sagt

Die verlässlichste Quelle ist der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit. Er wertet die tatsächlich gemeldeten Bruttogehälter aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus, nicht freiwillige Angaben in Gehaltsportalen. Deshalb weichen die Zahlen oft deutlich von dem ab, was Portale nennen.
Der Median teilt alle Vollzeitkräfte in zwei gleich große Gruppen. Die Hälfte verdient weniger als 3.452 Euro, die andere Hälfte mehr. Wichtig: Der Wert umfasst alle Arbeitgeber, also Praxen, Kliniken und Reha-Einrichtungen zusammen.
Auffällig sind zwei Unterschiede in derselben Statistik:
  • Region: In Berlin liegt der Median bei 3.848 Euro, in Bayern bei 3.489 Euro.
  • Geschlecht: Frauen verdienen im Median 3.316 Euro, Männer 3.648 Euro. Das sind 332 Euro Unterschied im Monat.

Praxis oder Klinik: Wo der Unterschied entsteht

In kommunalen Kliniken ist das Gehalt klar geregelt. Staatlich anerkannte Physiotherapeuten sind im TVöD-VKA der Entgeltgruppe 7 zugeordnet. Mit den Stufen steigt das Gehalt automatisch, bei schwierigen Aufgaben sind die Gruppen 8, 9a oder 9b möglich. In Gruppe 9b sind bis zu 5.313,37 Euro drin.
Für angestellte Physiotherapeuten in Praxen gibt es dagegen keinen allgemeinen Tarifvertrag. Das Gehalt wird frei verhandelt. Die Praxiswerte aus dem Branchenreport liegen im Schnitt unter den TVöD-Beträgen.
Gleichzeitig steigen die Praxisgehälter kräftig. Zum Januar 2025 stiegen die Vergütungen der gesetzlichen Krankenkassen um 4,01 Prozent. Die Gehälter in ambulanten Physiopraxen stiegen laut Bundesagentur im selben Zeitraum um 6,44 Prozent. Der Physiotherapieverband IFK wertet das so, dass Praxen die Preissteigerung mehr als vollständig an ihre Teams weitergegeben haben.

Was das Gehalt beeinflusst

  • Berufserfahrung: Zwischen Einstieg und erfahrenen Kräften liegen laut Branchenreport rund 780 Euro im Monat.
  • Fortbildungen: Zertifikate wie Manuelle Therapie, KG-ZNS oder Manuelle Lymphdrainage erlauben der Praxis, höher vergütete Leistungen abzurechnen. Ein Teil davon kann als Zulage an die Therapeuten gehen.
  • Region: In Großstädten und im Süden sind Gehälter und Lebenshaltungskosten höher.
  • Verantwortung: Fachliche Leitung, Ausbildung von Schülern oder Standortleitung werden zusätzlich vergütet.
  • Arbeitgeber: Kliniken mit Tarifbindung zahlen meist planbarer, Praxen können dafür flexibler verhandeln.

Was kann sich deine Praxis leisten?

Ein Gehalt muss zum Umsatz passen, den eine Vollzeitkraft erwirtschaftet. Laut Branchenreport Physiotherapie 2026 sind das im Schnitt 115.200 Euro pro Jahr.
Eine einfache Beispielrechnung mit dem Median:
  • Bruttogehalt: 3.452 Euro × 12 Monate = 41.424 Euro
  • Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung: rund 21 Prozent, also etwa 8.700 Euro
  • Personalkosten gesamt: rund 50.100 Euro im Jahr
  • Anteil am Umsatz einer Vollzeitkraft: etwa 44 Prozent
Die Rechnung ist eine Orientierung, keine Steuerberatung. Raum, Verwaltung, Fortbildungen und Ausfallzeiten kommen dazu. Sie zeigt aber: Ein Gehalt auf Median-Niveau ist für die meisten Praxen darstellbar, vor allem verglichen mit dem, was eine unbesetzte Stelle kostet. Wie viel das bei dir ist, rechnest du mit unserem Kostenrechner in 30 Sekunden aus.

Warum Gehalt allein keine Bewerber bringt

Gehalt ist wichtig, aber selten der einzige Grund für einen Wechsel. Wer eine Stelle hat, wechselt oft nicht allein wegen eines etwas höheren Gehalts, sondern weil etwas anderes nicht passt. Entscheidend sind zum Beispiel:
  • Behandlungstakt: 20 oder 30 Minuten pro Patient machen im Alltag einen großen Unterschied.
  • Fortbildungen: ein festes Budget und freie Tage dafür.
  • Arbeitszeiten: planbare Dienste, Teilzeit, eine Vier-Tage-Woche.
  • Team und Führung: Wertschätzung, Austausch und eine Leitung, die Zeit hat.
  • Dokumentation: bezahlte Zeit für Berichte statt Feierabend am Schreibtisch.
Der wichtigste Punkt: Diese Vorteile müssen potenzielle Bewerber auch sehen. Eine Gehaltsspanne in der Stellenanzeige und echte Einblicke in den Praxisalltag schaffen Vertrauen, bevor das erste Gespräch stattfindet.

Häufige Fragen

Was verdient ein Physiotherapeut netto?

Beim Median von 3.452 Euro brutto bleiben in Steuerklasse I ohne Kinder rund 2.300 Euro netto. Der genaue Wert hängt von Steuerklasse, Kirchensteuer und Krankenkasse ab.

Wie hoch ist das Einstiegsgehalt?

Der Entgeltatlas weist für Vollzeitkräfte unter 25 Jahren einen Median von 3.216 Euro aus. Der Branchenreport nennt für Berufseinsteiger in Praxen 2.991 Euro.

Gibt es einen Tarifvertrag für Physiotherapeuten in Praxen?

Nein, für private Praxen gibt es keinen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag. Der TVöD gilt nur für Arbeitgeber, die ihn anwenden, etwa kommunale Kliniken.

Wie viel verdient ein Physiotherapeut pro Stunde?

Der Median entspricht bei 38,5 Wochenstunden rund 20,70 Euro brutto pro Stunde.

Fazit

Die Gehälter in Physiopraxen steigen spürbar und nähern sich dem Klinikniveau. Wer als Praxis ein faires Gehalt rund um den Median bietet und seine anderen Vorteile sichtbar macht, hat trotz Fachkräftemangel gute Chancen auf passende Bewerbungen.
Quellen: Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, Berufe in der Physiotherapie (KldB 81713), Datenstand 31.12.2025. Entgelttabelle TVöD-VKA ab 1. Mai 2026. Branchenreport Physiotherapie 2026 von ETL ADVISION und dem Verlag für Prävention und Gesundheit (TT-DIGI). Angaben des IFK zur Gehaltsentwicklung 2025. Alle Gehaltsangaben brutto, Vollzeit. Stand: Oktober 2026.
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Jonas Hümmeler
Geschrieben vonJonas HümmelerGründer von Hypewave®

Hilft seit 2021 Physio-, Ergo- und Logopädiepraxen dabei, qualifizierte Therapeuten zu gewinnen. Seine Mutter ist selbst Physiotherapeutin.

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